Raffael: Der Neue Hertha Star

Raffael auf Anhieb eine Verstärkung

Aus der Berliner Morgenpost vom 31.1.2008

 

Viele neue Spieler verschärfen den Konkurrenzkampf bei Hertha BSC
Von Daniel Stolpe

Berlin – Exakt vier Wochen ist es heute her, seit Trainer Lucien Favre die Spieler von Hertha BSC zum ersten Training nach dem Winterurlaub bat. Übermorgen erwartet Berlins Bundesligist zum Rückrundenauftakt im Olympiastadion Eintracht Frankfurt. Zuvor analysiert die Morgenpost: Wer profitierte von den Geschehnissen der Winterpause, wer geriet (weiter) ins Hintertreffen?

 

Neue Chance für Chahed und Ede

Es ist bezeichnend für den vonstatten gehenden Umbruch bei Hertha BSC: Von den elf im letzten Punktspiel vor der Winterpause gegen den Bayern München (0:0) zu Anfang aufgebotenen Spielern darf sich vor Beginn der zweiten Halbserie einzig Torhüter Jaroslav Drobny als Gewinner fühlen. Sein im Sommer vor Rivale Christian Fiedler hauchdünn erarbeiteter Status als Nummer eins war in der Pause hinterfragt worden. Spätestens mit einer überzeugenden Leistung im Test beim 1.FC Kaiserslautern (1:0) untermauerte Drobny seinen Anspruch auf den Platz im Tor.

Von den bislang vier Zugängen der heute um Mitternacht zu Ende gehenden Transferphase haben immerhin zwei gute Chancen auf einen sofortigen Stammplatz. Gesetzt ist sogar der Brasilianer Raffael. Der Wunschspieler Favres ist auf Anhieb eine Verstärkung. Stets anspielbar und von den Kollegen auch auf Anhieb reichlich gesucht, vermag er das Vakuum im zentralen offensiven Mittelfeld ebenso zu schließen wie er auch für Torgefahr aus der zweiten Reihe sorgt. Gegen Kaiserslautern schloss er einen langen Sololauf mit dem einzigen Tor des Spiels ab. Im defensiven Mittelfeld ist Bryan Arguez aussichtsreicher Anwärter auf den Platz voraussichtlich neben Pal Dardai. Der 19 Jahre alte Amerikaner gefällt durch Dynamik und Kreativität; beides Attribute, an denen es im Berliner Spiel zuletzt arg gemangelt hatte.

Außerdem dürfen sich zwei als Gewinner fühlen, die keine Rolle mehr zu spielen schienen: Sofian Chahed und Chinedu Ede. Chahed bekommt seine Bewährungschance zumindest solange verlängert, wie Kapitän Arne Friedrich wegen anhaltender Beschwerden an der Achillessehne nicht spielfähig ist. Zudem profitiert der Rechtsverteidiger davon, dass keiner der gehandelten Namen für seine Position – Loukas Vyntra (Panathinaikos Athen), Marc Stein (Hansa Rostock), Bobbie Friberg da Cruz (GAIS Göteborg) – verpflichtet wurde. Ede kam endlich einmal verletzungsfrei durch eine Vorbereitung – und etablierte sich prompt als Alternative für die seit Lucios Ausfall nur unzureichend besetzte linke Außenbahn im Mittelfeld. Geht Gilberto und kommt für ihn kein Ersatz, hat Ede sogar Chancen, sich doch noch für die Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrages zu empfehlen.

Mineiro und Grahn auf dem Abstellgleis

Um eine Fortsetzung des Beschäftigungsverhältnisses geht es auch für Christian Fiedler und Mineiro. Der im Sommer vertragslose Ersatztorhüter wird sich nach dem verlorenen Duell mit Drobny außerhalb Berlins nach einer Weiterbeschäftigung umsehen müssen. Mineiro (32), bei Favre ohnehin wenig angesehener Stammspieler der brasilianischen Seleção, erhielt auf seiner Position im defensiven Mittelfeld in Person von Arguez und Gojko Kacar weitere jüngere Konkurrenz, der die Zukunft im Hertha-Trikot gehören dürfte.

Was Arguez und Kacar für Mineiro, ist Raffael für Tobias Grahn. Vor einem Halbjahr, das darüber entscheiden soll, ob Hertha die Option auf eine Festanstellung des Schweden bis 2012 in Anspruch nimmt, tendiert die Aussicht darauf gegen Null. Der Platz in Berlins Mittelfeldzentrale ist vorerst fest an Raffael vergeben – woran der in vielerlei Hinsicht zu langsame Grahn nicht unschuldig ist.

“Ich muss spielen” sagt auch Solomon Okoronkwo – “wenn nicht in Berlin, dann andernorts.” Früher oder später wird es so kommen. Jedenfalls befeuert die Ausleihe von Waleri Domowtschiski nicht gerade das Standing des Nigerianers, dessen Hang zu Egozentrik Favre ohnehin missfällt. Ähnlich ich-bezogen sträubte sich Arne Friedrich lange gegen eine permanente Versetzung auf die rechte Seite der Viererkette. Inzwischen sagt der Kapitän: “Ich will der Mannschaft helfen und spiele, wo der Trainer mich aufstellt.” Zunächst verpasste er jedoch weite Teile der Vorbereitung und wird den entstandenen Rückstand individuell nacharbeiten müssen.

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